Bundeskanzler Friedrich Merz sieht sich mit einem diplomatischen Zwischenfall konfrontiert, nachdem eine beiläufige Bemerkung über Belém in ganz Brasilien Empörung ausgelöst hat. Merz war in die Amazonas-Metropole gereist, um sich mit Offiziellen zu treffen und Orte zu besichtigen, die 2025 Austragungsort der COP30 sein werden. Der Besuch war Teil eines umfassenderen deutschen Engagements in den Bereichen Klimakooperation, Energie und Handel.
Die Bemerkung, die den Ärger auslöste
Der Streit begann, nachdem Merz nach Berlin zurückgekehrt war. Auf einer Wirtschaftskonferenz erzählte er dem Publikum, er habe die mitreisenden Journalist*innen gefragt, ob jemand nach dem Besuch länger bleiben wolle. Als sich keine Hand hob, witzelte er, die Gruppe sei froh, wieder in Deutschland zu sein. Die Bemerkung verbreitete sich rasch im Netz und kam in Brasilien schlecht an, wo viele sie als Geringschätzung einer Region empfanden, die sich auf einen wichtigen globalen Klimagipfel vorbereitet.
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva reagierte scharf. Merz hätte sich Zeit nehmen sollen, die Stadt zu erkunden, statt sie auf einen Witz zu reduzieren, sagte er, und fügte hinzu, Berlin biete „nicht einmal zehn Prozent“ von dem, was Belém zu bieten habe. Auch lokale Verantwortliche übten Kritik. Bürgermeister Igor Normando bezeichnete die Aussage als „Vorurteil und Arroganz“, und Gouverneur Helder Barbalho sprach von einer „vorurteilsbehafteten Rede“, die mehr über den Urheber als über die Stadt verrate.
Berlin versucht, die Wogen zu glätten
Merz‘ Sprecher Stefan Kornelius bemühte sich, den Streit einzudämmen. Der Kanzler habe die Gastgeberstadt keineswegs herabwürdigen wollen; die Bemerkung habe sich ausschließlich auf eine Delegation bezogen, die nach Nachtflug und straffem Programm erschöpft gewesen sei. Merz sei mit einem „sehr positiven“ Eindruck abgereist und habe die strategische Bedeutung Brasiliens für Deutschland betont. Kornelius wies Forderungen nach einer Entschuldigung zurück und versicherte, die Beziehungen seien nicht beschädigt.
Politische und diplomatische Folgen
In den deutschen Medien fiel die Berichterstattung kritischer aus, je mehr sich Politiker*innen zu Wort meldeten. Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Deborah Düring, nannte Merz‘ „arrogante und völlig unangebrachte Bemerkung“ einen Beleg dafür, dass er den Erwartungen seines Amtes nicht gerecht werde. Andere Abgeordnete warnten, der Vorfall könne die Glaubwürdigkeit Deutschlands im Ausland schwächen.
Merz wird Lula voraussichtlich beim G20-Gipfel in Südafrika wieder treffen. Er rechnet mit einem konstruktiven Austausch, doch die heftige Reaktion in Brasilien lässt erwarten, dass die Angelegenheit nicht so schnell abklingt.